Der Beruf des Innenarchitekten zieht jedes Jahr Abiturienten an, die davon begeistert sind, Räume zu gestalten. Da die Berufsbezeichnung in Frankreich nicht geschützt ist, ist für die Ausübung rechtlich kein Abschluss vorgeschrieben. Diese Besonderheit macht die Qualität der Ausbildung und die berufliche Anerkennung zu zentralen Kriterien bei der Studienwahl.
Ungeschützte Berufsbezeichnung und CFAI-Anerkennung: Was das für künftige Studierende bedeutet
Anders als der Architektenberuf, der eine Eintragung in die Architektenkammer voraussetzt, ist die Tätigkeit als Innenarchitekt an keinen Abschluss gebunden. Theoretisch kann jeder unter dieser Berufsbezeichnung seine Dienste anbieten. Für Abiturienten bedeutet das: Der erworbene Abschluss allein garantiert noch keine Glaubwürdigkeit auf dem Arbeitsmarkt.
Hier kommt der französische Rat der Innenarchitekten (CFAI) ins Spiel. Die Bezeichnung „Innenarchitekt CFAI“ ist Fachleuten vorbehalten, deren Ausbildung zu den von dieser Organisation anerkannten Studiengängen zählt und die zudem über Berufserfahrung verfügen. Personalverantwortliche und gut informierte Kunden nutzen diese Unterscheidung als Auswahlkriterium.
Vor der Wahl einer Hochschule empfiehlt es sich daher zu prüfen, ob der gewünschte Studiengang auf der Liste der vom CFAI anerkannten Ausbildungen steht. In den Werbebroschüren privater Einrichtungen wird dieser Punkt nur selten hervorgehoben.
Auch der Unterschied zwischen einem Master (staatlicher Abschluss) und einem Mastère (im RNCP eingetragener Berufsabschluss) sollte bekannt sein: Beide entsprechen dem Niveau Bac+5, ihr Wert in der Berufspraxis kann sich jedoch je nach den Akkreditierungen der Hochschule unterscheiden.
Die Frage, ob man direkt nach dem Abitur einen langen Studiengang für Innenarchitektur anstreben sollte, stellt sich in diesem Zusammenhang umso dringlicher, da Dauer und Qualität des Ausbildungswegs unmittelbar die Anerkennung durch den CFAI beeinflussen.

Innenarchitektur und Projektsteuerung: ein Beruf, der weit über Design hinausgeht
Das Bild des Fachmanns, der Farben und Möbel auswählt, hält sich zwar hartnäckig, doch der Beruf ähnelt inzwischen zunehmend der Rolle eines Projektleiters. Die Aufgaben eines Innenarchitekten umfassen weit mehr als die rein ästhetische Gestaltung.
Zu den täglichen Aufgaben gehören in der Praxis:
- Technische Pläne nach geltenden Normen erstellen und die für die Arbeiten erforderlichen behördlichen Erklärungen vorbereiten
- Die beteiligten Gewerke (Klempner, Elektriker, Schreiner) koordinieren und dabei Fristen und Kosten im Blick behalten
- Die Kundenbetreuung von der Entwurfsphase bis zur Abnahme der Baustelle übernehmen
- Umweltauflagen berücksichtigen, insbesondere im Zusammenhang mit der Wiederverwendung von Materialien
Dieser letzte Punkt gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die RE2020 und das Dekret vom 21. Februar 2024 fördern den Einsatz wiederverwendeter Materialien bei öffentlichen Aufträgen. Bei bestimmten Abriss- oder Sanierungsvorhaben ist eine Bestandsaufnahme der Produkte und Materialien vorgeschrieben. Der Innenarchitekt muss diese gesetzlichen Anforderungen daher bereits in der Entwurfsphase berücksichtigen.
Abiturienten, die diesen Weg in Betracht ziehen, sollten wissen, dass Kreativität zwar notwendig ist, aber nur einen Teil der gefragten Kompetenzen ausmacht. Die Fähigkeit, ein Budget zu verwalten, mit Handwerkern zu verhandeln und gesetzliche Vorgaben einzuhalten, ist für den beruflichen Erfolg ebenso wichtig.
Gefragte Kompetenzen und das passende Profil für Innenarchitektur
Ausbildungen in Innenarchitektur verbinden technische Lehrinhalte (Zeichnen, Modellierungssoftware, Materialkunde) mit praktischen Projekten. Die Studierenden arbeiten bereits in den ersten Jahren an konkreten Aufgabenstellungen. Das unterscheidet diesen Studiengang von eher theoretisch ausgerichteten Fachrichtungen.
Der sichere Umgang mit Programmen wie SketchUp, AutoCAD oder 3D-Rendering-Software gehört zu den grundlegenden Anforderungen nach dem Abschluss. Wie wichtig diese Softwarekenntnisse im Vergleich zu Kommunikationsfähigkeit und sorgfältigem Projektmanagement tatsächlich sind, wird in der Praxis jedoch unterschiedlich beurteilt.
Wer in diesem Beruf aufblüht, verbindet meist ein ausgeprägtes visuelles Gespür mit einer großen Freude an Organisation. Auch die kaufmännische Seite sollte nicht unterschätzt werden: Ob angestellt in einem Büro oder selbstständig – Innenarchitekten müssen ihre Entwürfe Kunden mitunter widersprüchlichen Erwartungen überzeugend präsentieren und begründen können.

Selbstständigkeit: ein häufiges Berufsmodell
Ein erheblicher Teil der Innenarchitekten arbeitet freiberuflich. Dieser Schritt in die Selbstständigkeit setzt Kenntnisse in Verwaltung, Buchhaltung und Kundengewinnung voraus, die nicht immer Bestandteil der Ausbildungsprogramme sind. Da es keine verpflichtende Berufskammer gibt, ist der Aufbau eines Netzwerks umso entscheidender, um erste Projekte zu gewinnen.
Die verfügbaren Daten erlauben keine verlässliche Aussage zu einer konkreten Vermittlungsquote oder einem aussagekräftigen Medianlohn für Berufseinsteiger. Die Einkommensunterschiede hängen stark vom gewählten Beschäftigungsmodell (angestellt oder selbstständig), dem geografischen Standort und der anvisierten Kundschaft (Privatpersonen, Unternehmen, öffentliche Auftraggeber) ab.
Die passende Ausbildung in Innenarchitektur wählen: Worauf es ankommt
Angesichts der wachsenden Zahl privater Hochschulen mit Studiengängen im Raumdesign ist eine sorgfältige Auswahl wichtig. Mehrere Kriterien helfen dabei, eine fundierte Ausbildung von einem weniger überzeugenden Angebot zu unterscheiden:
- Die Anerkennung des Abschlusses durch den CFAI, die für Fachleute der Branche nach wie vor der klarste Orientierungspunkt ist
- Die Eintragung im RNCP und das Zertifizierungsniveau (Niveau 6 für einen Bachelor, Niveau 7 für ein Mastère)
- Längere Praktika oder duale Studienmöglichkeiten, die den Berufseinstieg erleichtern und den Abgleich theoretischer Kenntnisse mit der Praxis ermöglichen
- Zusätzliche Gütesiegel oder Akkreditierungen der Hochschule, die über die bloße Eintragung im RNCP hinausgehen
Ein fünfjähriger, vom CFAI anerkannter Studiengang ist nach wie vor der sicherste Weg, um die berufliche Bezeichnung zu erlangen. Eine Ausbildung in zwei Etappen (BTS oder DN Made, anschließend DSAA oder DNSEP) ist eine glaubwürdige Alternative und bietet den Vorteil eines ersten Zwischenabschlusses nach zwei oder drei Jahren.
Die Wahl zwischen einer öffentlichen und einer privaten Hochschule sollte ohne Vorurteile geprüft werden. Öffentliche Hochschulen verlangen moderate Studiengebühren, bieten jedoch nur eine begrenzte Zahl an Studienplätzen. Private Einrichtungen verfügen mitunter über eine bessere Ausstattung und umfangreichere berufliche Partnerschaften, sind aber mit deutlich höheren jährlichen Kosten verbunden.
Ein Studium der Innenarchitektur nach dem Abitur bedeutet mehrere Jahre anspruchsvoller Ausbildung in einer Branche, in der die berufliche Anerkennung stärker von der Qualität des Ausbildungswegs als vom Abschluss selbst abhängt. Wer Akkreditierungen prüft, die praktischen Anforderungen des Berufs versteht und die unternehmerische Seite der Laufbahn mit einplant, kann Enttäuschungen nach dem Abschluss vermeiden.



